Werte finden: 7 Fragen, die deinen inneren Kompass schärfen

Werte sind eines der am häufigsten benutzten und am wenigsten verstandenen Wörter im Coaching. Jeder spricht von ihnen, kaum jemand kann sagen, was seine eigenen sind. Dabei sind sie der zuverlässigste Kompass, den du hast, wenn Entscheidungen anstehen oder etwas im Leben nicht mehr passt.

Hier sind sieben Fragen, die ich im Coaching verwende, um Werte sichtbar zu machen. Du kannst sie für dich allein durchgehen. Plan eine Stunde ein, nimm Stift und Papier, und sei ehrlich mit dir.

Vorab: Was Werte eigentlich sind

Werte sind innere Maßstäbe, an denen du dich orientierst, ob du es bewusst tust oder nicht. Sie sagen dir, was richtig und wichtig ist, was du verteidigst und woran du leidest, wenn es verletzt wird. Werte sind nicht das, was du erreichen willst (das sind Ziele), und sie sind nicht das, was du tun sollst (das sind Normen). Sie sind das, was dir wirklich wichtig ist, auch wenn niemand zuschaut.

Typische Werte: Ehrlichkeit, Freiheit, Verbundenheit, Verantwortung, Kreativität, Sicherheit, Wachstum, Gerechtigkeit, Gelassenheit, Wirksamkeit. Aber Listen sind irreführend. Welche Werte deine sind, findest du nicht durch Ankreuzen, sondern durch Nachdenken über deine eigenen Erfahrungen.

Frage 1: Wann warst du zuletzt richtig wütend?

Wut zeigt verletzte Werte. Wenn du dich an eine Situation erinnerst, in der du innerlich oder äußerlich aufgebracht warst, frag dich: Welcher meiner Maßstäbe wurde hier verletzt? Wenn dich Unfairness aufregt, ist Gerechtigkeit ein Wert. Wenn dich Bevormundung wütend macht, ist es vermutlich Autonomie. Wenn dich Lüge erschüttert, ist es Ehrlichkeit.

Notiere dir zwei oder drei solcher Situationen aus dem letzten Jahr. Was wurde da verletzt?

Frage 2: Wann hast du dich zuletzt richtig lebendig gefühlt?

Lebendigkeit zeigt erfüllte Werte. Wann warst du in einer Situation, in der du gedacht hast: Ja, das ist es? Was war dort, das so gut war? Vielleicht das Gefühl, etwas Sinnvolles zu schaffen. Vielleicht die Verbundenheit mit den Menschen um dich herum. Vielleicht die Tiefe der Konzentration. Vielleicht die Freiheit, dein eigenes Tempo zu gehen.

Was du als lebendig erlebst, sagt dir etwas Genaues über deine Werte. Notiere zwei oder drei Situationen.

Frage 3: Wofür bewunderst du andere Menschen?

Was du an anderen schätzt, ist oft ein Hinweis auf das, was dir selbst wichtig ist. Wen bewunderst du, und wofür konkret? Bewunderst du Mut? Klarheit? Disziplin? Großzügigkeit? Standhaftigkeit?

Achtung: Verwechsle Bewunderung nicht mit Neid. Neid sagt: Ich will das auch haben. Bewunderung sagt: Diese Eigenschaft entspricht etwas, das auch in mir wichtig ist.

Frage 4: Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Eine alte Frage, oft falsch verstanden. Es geht nicht darum, ob du dann auf Bali wohnen würdest. Es geht darum, was du mit deiner Zeit machst, wenn äußerer Druck und finanzieller Zwang wegfallen. Würdest du noch arbeiten? Was anders? Mit wem? An welcher Sache?

Die Antworten zeigen dir, was dich intrinsisch motiviert, jenseits der Notwendigkeit. Genau dort liegen oft Werte, die im Alltag verschüttet sind.

Frage 5: Worauf bist du wirklich stolz?

Nicht stolz im Sinne von „das hat mir Anerkennung gebracht“, sondern stolz im Sinne von „das war mir wirklich wichtig, und ich habe es gut gemacht“. Das kann eine berufliche Leistung sein, eine Beziehungsentscheidung, ein Verhalten in einer Krise, ein Stehen für etwas in einem unbequemen Moment.

Was an dieser Sache war so wichtig, dass du heute noch stolz darauf bist? Welche Werte hast du da gelebt?

Frage 6: Was würdest du auf gar keinen Fall tun?

Werte zeigen sich nicht nur darin, was du willst, sondern auch darin, was du auf keinen Fall willst. Frag dich: Was wäre für dich ein klares Nein, egal wie viel Geld oder Anerkennung dafür im Spiel wäre? Welche Tätigkeit, welche Verhaltensweise, welche Position würdest du nicht annehmen, weil sie dir innerlich widersprechen würde?

Diese Grenzen sind klare Hinweise. Wenn du etwa nie betrügen würdest, ist Integrität ein zentraler Wert. Wenn du nie jemanden absichtlich erniedrigen würdest, ist Würde wichtig. Diese „Niemals“-Punkte sind oft die stabilsten Werte, die du hast.

Frage 7: Was sollte über dich in einem Nachruf stehen?

Klingt morbide, ist aber eine der präzisesten Werte-Fragen, die es gibt. Stell dir vor, jemand hält in fünfzig Jahren eine Rede über dich. Was sollte da stehen, damit es zu dir gepasst hat? Welche Eigenschaften sollten genannt werden? Welche Wirkung auf andere?

Was du dir wünschst, dass es über dich gesagt wird, beschreibt deine wichtigsten Werte. Was nicht genannt werden sollte (Karriere, Vermögen, Status?), zeigt dir, was du eigentlich für unwichtig hältst, auch wenn dein Alltag derzeit anderes vermuten lässt.

Vom Sammeln zum Kompass

Wenn du alle sieben Fragen ehrlich durchgegangen bist, hast du eine Sammlung. Jetzt verdichte. Such die Werte heraus, die in mehreren Antworten auftauchen. Streiche, was dir kleiner erscheint. Behalte am Ende drei bis fünf, die dir besonders zentral vorkommen.

Diese drei bis fünf sind dein Kompass. Wenn du das nächste Mal eine Entscheidung triffst, prüf sie an diesen Werten. Passt sie zu Freiheit, oder schränkt sie ein? Passt sie zu Verbundenheit, oder isoliert sie? Passt sie zu Wirksamkeit, oder bringt sie nichts?

Du wirst überrascht sein, wie viel klarer Entscheidungen werden, wenn du diesen Maßstab anlegst. Nicht, weil die Werte dir vorschreiben, was zu tun ist, sondern weil sie dir zeigen, welche Option zu dir passt und welche dich auf Dauer auszehrt.

Wann Wertearbeit im Coaching sinnvoll ist

Diese sieben Fragen sind ein guter Einstieg, ersetzen aber kein Coaching. Was im Gespräch passiert, ist die nächste Tiefenstufe: Du wirst herausgefordert, du gehst über erste Antworten hinaus, du entdeckst Werte, die du allein nicht gesehen hättest. Vor allem aber: Du klärst, welche deiner Werte gerade verletzt werden und was sich ändern muss, damit du wieder in Übereinstimmung mit dir lebst.

Wertearbeit steht im Zentrum vieler Coaching-Anliegen, etwa bei Werte und Sinn, bei Entscheidungen und Klarheit, bei beruflicher Neuorientierung und bei Führungsthemen.

Wenn du das mit mir vertiefen willst, schreib mir an coaching@werte-studio.de. Das Erstgespräch dauert 30 Minuten, kostet nichts und gibt dir bereits einen Eindruck, was systematische Wertearbeit für dich öffnen kann.

St. Galler Coaching Modell®

Wertorientiert. Systemisch. Nachhaltig.

Das St. Galler Coaching-Modell® ist ein wertorientiertes, systemisches, 5-dimensionales Coaching-Verfahren und eine abgesicherte Coaching-Methodik, dessen hohe Nachhaltigkeit und Wirksamkeit 3-fach wissenschaftlich validiert und bestätigt wurden.

Es unterstützt dich dabei, sowohl deine Ziele klar zu definieren als auch die Hindernisse zu erkennen, die dich davon abhalten, diese zu erreichen. Der Coaching-Prozess hilft dir, die richtige Balance zwischen persönlichem Wachstum und praktischen Handlungsstrategien zu finden.

Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl deine inneren als auch äußeren Ressourcen in den Blick nimmt und dich dazu anregt, neue Lösungen und Wege zu finden, die wirklich zu dir passen.

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Volker Stegmaier | Werte Studio
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