Mein Chef macht mich fertig: Was du tun kannst

Wenn du diese Suchanfrage gerade in Google eingegeben hast, geht es dir vermutlich nicht gut. Vielleicht spürst du die Anspannung schon morgens, bevor du das Büro betrittst. Vielleicht hast du seit Wochen Magenschmerzen vor jedem Eins-zu-Eins-Termin. Vielleicht denkst du, mit dir stimmt etwas nicht.

Vorab das Wichtigste: Mit dir stimmt vermutlich alles. Was schwierig ist, ist die Situation. Und für die gibt es Wege, die du gehen kannst. Hier sind sie.

Was passiert da eigentlich?

Das Verhalten von Vorgesetzten, das Mitarbeitende systematisch belastet, hat verschiedene Formen. Manchmal ist es offen verletzend (Anschreien, Bloßstellung vor anderen, abwertende Bemerkungen), manchmal subtiler (ständige Kontrolle, dauernde Kritik ohne Anerkennung, Informationen vorenthalten, gezielt ignoriert werden, ständige Umpriorisierung).

In manchen Fällen handelt es sich um Mobbing im rechtlichen Sinn, in anderen um schlechte Führung ohne böse Absicht, in wieder anderen um Persönlichkeitsstrukturen, die unter Druck destruktiv werden. Die Wirkung auf dich ist in allen Fällen ähnlich: Schlafprobleme, Konzentrationsverlust, Selbstzweifel, körperliche Symptome, Rückzug aus dem Privatleben.

Erster Schritt: Realität prüfen

Wenn man lange in einer schwierigen Situation steckt, verliert man oft den Maßstab. Was ist normal, was ist Grenzüberschreitung? Drei Fragen, die helfen:

  • Würdest du das Verhalten beschreiben können, ohne es zu beschönigen, und würde eine außenstehende Person sagen: Das ist nicht in Ordnung?
  • Tritt das Verhalten regelmäßig auf, oder war es ein Einzelfall in einer angespannten Phase?
  • Trifft es nur dich, oder erleben das andere im Team auch?

Wenn du bei mehreren Punkten klar mit Ja antwortest, ist die Belastung berechtigt. Du bist nicht überempfindlich.

Zweiter Schritt: Dokumentieren

Auch wenn du noch keinen formalen Schritt vorhast, fang an zu dokumentieren. Datum, Uhrzeit, was wurde gesagt oder getan, wer war dabei, wie hast du reagiert. Drei Vorteile davon:

  • Du siehst Muster, die im Alltag verschwimmen
  • Du hast Belege, falls du später Personalabteilung, Betriebsrat oder Anwalt einschalten willst
  • Es nimmt dem Erleben einen Teil seiner Macht, wenn du es geordnet auf Papier siehst

Mach das nicht in der Cloud des Arbeitgebers, sondern privat. Ein Notizheft reicht.

Dritter Schritt: Verbündete

Wenn du in einer schwierigen Führungssituation steckst, ist Isolation einer der größten Verstärker. Such dir Menschen, mit denen du reden kannst. Im Idealfall:

  • Eine vertraute Person außerhalb des Jobs (Partner, Freund, Familie)
  • Wenn vorhanden, ein Kollege, dem du vertraust
  • Bei eskalierender Situation: Betriebsrat, Personalrat, Schwerbehindertenvertretung (je nach Konstellation)
  • Bei beruflicher und persönlicher Überforderung: Hausarzt

Reden hilft nicht alles, aber es hilft. Allein das Aussprechen, dass die Situation nicht in Ordnung ist, durchbricht das innere Schweigen.

Vierter Schritt: Handlungsspielraum prüfen

Du hast immer mehr Optionen als das Gefühl dir sagt. Auch wenn keine davon einfach ist. In der Praxis sind das meist diese:

Direktes Gespräch. Mit dem Vorgesetzten selbst zu sprechen, ist riskant, manchmal aber wirksam. Voraussetzung: Du bist gut vorbereitet, kennst deine Punkte, hast einen klaren Wunsch (was soll sich ändern), und der Vorgesetzte ist grundsätzlich gesprächsfähig. Bei narzisstisch geprägten Persönlichkeiten oder offenem Mobbing eher nicht empfehlenswert.

Übergeordnete Stelle. Den Chef vom Chef einbeziehen, oder die Personalabteilung, oder den Betriebsrat. Hier brauchst du deine Dokumentation, eine klare Schilderung und realistische Erwartungen. Manchmal hilft das, manchmal nicht. Es kommt sehr auf die Unternehmenskultur an.

Interner Wechsel. Eine andere Stelle, ein anderes Team, ein anderer Standort im selben Unternehmen. Wenn das geht, ist es oft der saubere Weg, weil die fachliche Kontinuität bleibt.

Externer Wechsel. Manchmal ist Gehen die beste Option. Das ist keine Niederlage, sondern Selbstschutz. Die Frage ist nur: gerichtet oder ungerichtet? Eine ruhige Suchphase mit klarem Ziel ist besser als Hals über Kopf zu kündigen.

Krankschreibung. Wenn du körperliche oder psychische Symptome hast, die das Funktionieren beeinträchtigen, ist eine Krankschreibung legitim und manchmal nötig. Das verschafft dir Distanz, um Klarheit zu gewinnen.

Fünfter Schritt: Eigene Belastung ernst nehmen

Was Mitarbeitende in solchen Situationen oft unterschätzen: Die Belastung wirkt nach. Auch wenn du nicht akut depressiv bist, reduziert dauerhafter Stress am Arbeitsplatz nachweislich die Lebensqualität, schwächt das Immunsystem und kann langfristig zu Erkrankungen führen.

Wenn du anhaltend schlecht schläfst, dich nicht mehr erholen kannst, das Privatleben leidet oder körperliche Symptome auftreten, sprich mit deinem Hausarzt. Bei stärkerer psychischer Belastung gehört das in psychotherapeutische Hände.

Wo Coaching ansetzen kann

Coaching ist kein Ersatz für rechtliche Beratung, Therapie oder Mediation. Aber es ist ein guter Ort, um drei Dinge zu klären, die in dieser Situation wichtig sind:

  • Welche deiner Werte werden hier verletzt, und wie steigt der Preis, wenn du bleibst?
  • Was sind deine echten Optionen, und welche davon passt zu deinem Leben?
  • Wie kommst du wieder in Handlungsfähigkeit, ohne dich zu verbiegen?

Dafür ist beispielsweise das Coaching bei Konflikten und schwieriger Kommunikation ein guter Rahmen. Auch das Thema Stress und Überforderung deckt diese Konstellation ab.

Was bleibt

Wenn dich dein Chef fertig macht, ist das ein Signal, ernst zu nehmen, kein Charakterfehler. Du hast mehr Optionen als du gerade siehst, und du musst sie nicht allein durchdenken. Der erste Schritt ist oft der schwerste: einer Person sagen, dass es so nicht weitergeht. Wenn ich dieser Mensch sein kann (für die Klärungsarbeit, nicht für rechtliche oder therapeutische Themen), schreib mir gern an coaching@werte-studio.de.

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Das St. Galler Coaching-Modell® ist ein wertorientiertes, systemisches, 5-dimensionales Coaching-Verfahren und eine abgesicherte Coaching-Methodik, dessen hohe Nachhaltigkeit und Wirksamkeit 3-fach wissenschaftlich validiert und bestätigt wurden.

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